1. Zuerst die Namen klären
- Ortsnamen: Bialla hieß bis 1938 Bialla, von 1938 bis 1945 Gehlen bzw. Gehlenburg, heute Biała Piska. Viele Dörfer haben drei Namen – siehe die Ortsnamen-Tabelle.
- Landkreis: Bialla gehörte von 1818 bis 1945 zum Landkreis Johannisburg (Kreisstadt Johannisburg, heute Pisz). Das Gebiet entspricht etwa dem heutigen Powiat Piski.
- Familiennamen: Schreibweisen schwanken stark (polnisch, masurisch, eingedeutscht). Notieren Sie alle Varianten und Vornamen in deutscher und polnischer Form (Johann/Jan, Wilhelm/Wilhelm, Karoline/Karolina).
2. Welche Quellen gibt es?
- Kirchenbücher: In Bialla bestand eine evangelische Pfarrei (1925 rund 5.900 Gemeindeglieder in 19 Orten). Vor 1531 amtierte hier bereits ein lutherischer Pfarrer. Katholiken gehörten in der Regel zur Pfarrei Johannisburg.
- Standesamtsregister (ab 1874): Bialla war Sitz eines eigenen Standesamts; umliegende Dörfer gehörten teils zu anderen Standesämtern (z. B. Drygallen). Geburts-, Heirats- und Sterberegister sind für Ostpreußen häufig die dichteste Quelle.
- Weitere Quellen: Adressbücher, Einwohnerlisten, Schulakten, Grundbücher, Militärlisten, Volkszählung 1939, Gedenkbücher und Heimatbriefe.
3. Wo suchen?
Online
- GenWiki – Landkreis Johannisburg: Übersicht zu Kirchspielen, Standesämtern und Kirchenbuchbeständen des Kreises (dort auch nach „Bialla“ bzw. „Gehlenburg“ suchen).
- Szukaj w Archiwach: Suchportal der polnischen Staatsarchive mit digitalisierten Kirchen- und Standesamtsbüchern, darunter Bestände des Staatsarchivs Olsztyn (Allenstein). Suchbegriffe: „Bialla“, „Gehlenburg“, „Biała Piska“.
- Meyers Gazetteer: Ortsverzeichnis des Deutschen Reiches mit Zuordnung zu Kirchspiel, Standesamt und Gericht.
- Archion (Kirchenbuch-Portal der evangelischen Kirchen) und FamilySearch: prüfen, ob für den gesuchten Ort und Zeitraum Bestände verfügbar sind.
Archive und Stellen
- Archiwum Państwowe w Olsztynie (Staatsarchiv Olsztyn/Allenstein): bewahrt Vorkriegsbestände, u. a. Standesamts- und Kirchenakten der Region.
- Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, Berlin-Dahlem: preußische Behördenakten, auch zu Pfarrern und Gemeinden Ostpreußens.
- Urząd Stanu Cywilnego (Standesamt) beim Urząd Miejski w Białej Piskiej: jüngere Register; ältere Register wurden in der Regel an das Staatsarchiv abgegeben.
- Verein für Familienforschung in Ost- und Westpreußen e. V. (Zeitschrift „Altpreußische Geschlechterkunde“) und die ehemalige Kreisgemeinschaft Johannisburg (Heimatbücher, u. a. „Der Kreis Johannisburg“, 1980): Austausch mit anderen Forschern.
4. Anfrage in Polen stellen
- Geben Sie Name, Vornamen, ungefähres Geburts-/Heirats-/Sterbejahr und Ort an – mit polnischem Ortsnamen (Biała Piska) und dem damaligen deutschen Namen.
- Für jüngere Akten verlangen polnische Stellen meist einen Nachweis der Verwandtschaft oder Vollmacht; für Akten ab einem bestimmten Alter gelten Archivregeln. Gebühren und Fristen vorher erfragen.
- Schreiben Sie kurz und auf Polnisch oder Englisch. Muster (anpassen):
Szanowni Państwo, zwracam się z prośbą o sprawdzenie, czy w księgach z miejscowości Biała Piska (niem. Bialla) znajduje się akt urodzenia/małżeństwa/zgonu: [imię i nazwisko], ur. ok. [rok] w [miejscowość]. Proszę o informację o dostępnych zasobach, kosztach i sposobie zamówienia kopii. Z poważaniem, [imię i nazwisko, adres e-mail]
5. Friedhöfe und Gräber
Viele deutsche Friedhöfe in Masuren wurden nach 1945 eingeebnet oder überwachsen; einzelne Gräber und Gedenksteine haben sich erhalten. Im Ort und in den Dörfern finden Sie heute vor allem diese Friedhöfe (OpenStreetMap): Cmentarz parafialny, Cmentarz parafialny, Cmentarz parafialny, Cmentarz parafialny, Cmentarz wojenny, Cmentarz ewangelicki. Die Karte aller Orte: Mapa; Zabytki und Friedhöfe: Zabytki i atrakcje.
Die evangelische Kirche von Bialla (1756–1763) wurde 1945 der katholischen Kirche übergeben und ist heute die Pfarrkirche St. Andreas Bobola; die evangelisch-lutherische Gemeinde besteht als Filiale der Pfarrei Pisz weiter (Gemeindehaus „Heinrich-Heldt-Haus“ hinter dem Rathaus).
6. Historischer Hintergrund
Bei Kriegsende verließen fast alle Einwohner die Stadt vor der heranrückenden Roten Armee, die Bialla am 23. Januar 1945 einnahm. Viele Familien wurden danach über ganz Deutschland verstreut. Mehr dazu: Geschichte von Bialla.