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Geschichte von Bialla

Die Geschichte von Bialla (Biała Piska) im Originaltext der deutschsprachigen Wikipedia – von der ersten Erwähnung 1334 über das Stadtrecht 1722 bis zum Kriegsende 1945. Ergänzt um die Beschreibung der heutigen Gemeinde.

Biała Piska (Bialla / Gehlenburg)

Biała Piska (deutsch Bialla) ist eine Stadt im Powiat Piski der Woiwodschaft Ermland-Masuren in Polen. Sie ist Sitz der gleichnamigen Stadt-und-Land-Gemeinde mit 10.354 Einwohnern (Stand 1. Januar 2024).

Geographische Lage

Bialla, Erholungsort in der Masurischen Seenplatte, liegt im historischen Ostpreußen im Kreis Johannisburg; etwa 20 km vom Ostufer des Śniardwy (Spirdingsee), des größten Masurensees, entfernt auf 138 m ü. NHN. Im Süden beginnt die Johannisburger Heide (Puszcza Piska) mit ihren ausgedehnten Wäldern.

Geschichte

Der Ort wurde 1334 als Gailen erwähnt und leitet sich von prußisch „gailis“ (weiß) ab. Der polnische Name Biała ist eine Übersetzung der prußischen Vorlage. 1428 wurde das deutsche Zinsbauerndorf „Auf der Gaylen“ in der Nähe einer Prußenburg gegründet, deren Einwohner um 1480 eine Kirche errichteten. Durch die Nachbarschaft zu Polen entwickelte sich im 16. Jahrhundert ein reger Grenzhandel, und der Ort wuchs schnell an. Zur Mitte des Jahrhunderts waren 38 Bauern und drei Müller vorhanden. Ab 1595 wurden große Ochsenmärkte veranstaltet und 28 Krüger übten ihr Gewerbe aus. 1645 erhielt Bialla das Recht, jährlich vier Jahrmärkte abzuhalten. Als 1656 die Tataren in das Land einfielen, suchten sie auch Bialla heim, plünderten und brandschatzten es. Viele Einwohner wurden getötet oder verschleppt.

Eine erneute Dezimierung brachte die Große Pest (Preußen) mit sich. 315 Menschen starben in Bialla an der Seuche. Trotzdem war die Wirtschaftskraft des Ortes in der Lage, die Weiterentwicklung voranzutreiben, sodass der preußische König Friedrich Wilhelm I. Bialla 1722 zur Stadt erhob. Das königliche Siedlungsprogramm sorgte zudem dafür, dass neue Einwohner, hauptsächlich Handwerker, hinzuzogen. Nachdem bereits in den Jahren von 1756 bis 1763 ein neues Kirchengebäude errichtet worden war, ging man nach der Stadtgründung daran, einen 1,65 Hektar großen Marktplatz und ein gitterförmiges Straßennetz anzulegen sowie ein neues Rathaus zu erbauen. Während des Siebenjährigen Krieges war Bialla von 1758 bis 1762 von russischen Truppen besetzt. Von 1764 bis 1800 war Bialla preußische Garnisonsstadt.

Im Krieg gegen Napoleon machte die russische Armee 1807 Bialla für neun Tage zu ihrem Hauptquartier. Nach der Schlacht bei Friedland besetzten im Juni 1807 französische und polnische Truppen die Stadt und erlegten ihr die hohen Stationierungskosten auf. Außerdem schleppten die Soldaten viele Krankheiten ein, an denen zahlreiche Einwohner starben. Nach dem Sieg über Napoleon organisierte Preußen seine Territorialverwaltung neu. Bialla wurde 1818 dem Kreis Johannisburg im Regierungsbezirk Gumbinnen zugeordnet. Als Gericht entstand das Stadt- und Amtsgericht Bialla, ab 1824 Land- und Stadtgericht Bialla. Ab 1849 bestand die Gerichtskommission Bialla des Kreisgerichts Johannisburg, bevor 1879 das Amtsgericht Bialla eingerichtet wurde.

1885 erfolgte der Anschluss an die Eisenbahnstrecke von Johannisburg nach Lyck. Es lebten jetzt etwa 1.700 Einwohner in der Stadt, unter ihnen rund 700 polnischsprachige.

Während des Ersten Weltkriegs kam es in der Nähe der Stadt zu einem Gefecht zwischen deutschen und russischen Truppen. Anschließend drangen die Russen in die Stadt ein und plünderten die Bevölkerung aus. Bei der durch den Versailler Vertrag vorgeschriebenen Volksabstimmung im Abstimmungsgebiet Allenstein am 11. Juli 1920 sprachen sich die 1.440 Einwohner für die Zugehörigkeit zu Deutschland aus, auf Polen entfiel keine Stimme.

In den Jahren 1927 und 1928 wurden ein neues Amtsgerichtsgebäude und ein Wasserwerk gebaut.

Im Zuge des nationalsozialistischen Germanisierungsprogramms, zu dem auch die Umbenennung nicht deutsch genug klingender Ortsnamen gehörte, wurde Bialla 1938 zunächst in Gehlen und schließlich in Gehlenburg umbenannt. Zur Volkszählung 1939 wurden 2.623 Einwohner ermittelt. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges verließen fast alle Einwohner vor der anrückenden sowjetischen Front ihre Stadt, die am 23. Januar 1945 von der Roten Armee eingenommen wurde. In der Folge des Krieges wurde der Ort Teil Polens und in Biała Piska umbenannt.

Von 1945 bis 1946 war der Ort Sitz des Powiat Piski.

Religion

Bereits in vorreformatorischer Zeit war Bialla ein Kirchdorf. Bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts stand hier ein Gotteshaus in Holzbauweise, das abgerissen werden musste.

Evangelische Kirche

In Bialla hielt die Reformation schon sehr früh Einzug. Vor 1531 amtierte hier bereits ein lutherischer Pfarrer. In den Jahren 1756 bis 1763 entstand unter Pfarrer Ephraim Ebel die heute noch erhaltene Kirche als verputzter Feldsteinbau mit einem von Karl Friedrich Schinkel entworfenen 1832 vorgesetzten Turm. Kanzel und Altar – um 1630 entstanden – wurden 1765 zu einem Kanzelaltar vereinigt. Im gleichen Jahr erhielt die Kirche eine Orgel. 1921 wurden drei Glocken angeschafft.

Bis 1715 gehörte die Pfarrei Bialla zur Inspektion Lyck (heute polnisch: Ełk), danach kam sie bis 1945 zum Kirchenkreis Johannisburg (Pisz) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union. Im Jahr 1925 gehörten 5911 Gemeindeglieder zum Kirchspiel Bialla, dessen Bereich sich über 19 Orte und Ortschaften hinzog. Letzter deutscher Geistlicher war Pfarrer Heinrich Heldt. Er war ein profilierter Gegner des Nationalsozialismus und Mitglied der Bekennenden Kirche. Trotz mehrfachen Gefängnisaufenthaltes konnte er bis zum Einmarsch der Roten Armee im Jahre 1945 seine Gemeinde betreuen. In den Wirren des Krieges sind er und seine Frau umgekommen. An ihn erinnert das Heinrich-Heldt-Haus, das Gemeindehaus mit eingebauter Kapelle der jetzigen evangelisch-lutherischen Gemeinde in Biała Piska, direkt hinter dem Rathaus im Zentrum der Stadt. Die ehemalige evangelische Pfarrkirche wurde gleich nach dem Krieg der katholischen Kirche übereignet. Biała Piska ist heute – wie Ełk (Lyck) und Wejsuny (Weissuhnen) – eine Filialgemeinde der Pfarrei in Pisz (Johannisburg) in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.

= Pfarrgemeinde Biała Piska =

Die Mehrheit der Bevölkerung Biała Piskas ist heute katholischer Konfession. Das Kirchengebäude wurde zugunsten der katholischen Kirche enteignet und ist jetzt dem Andreas Bobola geweiht. Die alte Innenausstattung ging bis auf ein Kruzifix verloren. Im Jahre 2006 wurde die Fassade des Gebäudes renoviert.

= Dekanat Biała Piska =

Biała Piska ist heute Zentrum des gleichnamigen Dekanats im Bistum Ełk (Lyck) der Katholischen Kirche in Polen.

Zum Dekanat gehören acht Pfarrgemeinden: St.-Andreas-Bobola-Kirche Biała Piska, Kirche der Gottesmutter von Częstochowa Drygały (Drygallen, 1938–1945 Drigelsdorf), Mariä-Geburt-Kirche Kumielsk (Kumilsko, 1938–1945 Morgen), Marienkirche Okartowo (Eckersberg), Herz-Jesu-Kirche Orzysz (Arys), Marienkirche Orzysz, St.-Stephans-Kirche Rożyńsk Wielki (Groß Rosinsko, 1938–1945 Großrosen) und Christkönigskirche Skarżyn (Skarzinnen, 1938–1945 Richtenberg).

Sehenswürdigkeiten

Die Pfarrkirche St. Andreas Bobola wurde 1756–63 im Barockstil errichtet, der Frontturm 1832 nach einem Entwurf Karl Friedrich Schinkels hinzugefügt.

Der Wasserturm und der Bahnhof stammen aus der Zeit um 1900.

Gemeinde

Zur Stadt-und-Land-Gemeinde (gmina miejsko-wiejska) Biała Piska mit einer Fläche von 420 km² gehören die Stadt selbst und 47 Dörfer mit Schulzenämtern.

Verkehr

Durch das Gemeindegebiet verläuft die verkehrstechnisch bedeutende Landesstraße 58, die in West-Ost-Richtung von Olsztynek (Hohenstein) bis nach Szczuczyn in der Woiwodschaft Podlachien verläuft. Die von Ełk (Lyck) kommende Woiwodschaftsstraße 667 durchquert die Gemeinde in Nord-Süd-Richtung und endet in Biała Piska.

Biała Piska hat eine Bahnstation an der Bahnstrecke Olsztyn–Ełk.

Die nächstgelegenen Flughäfen sind die in Danzig und Warschau, von denen Anschluss an den internationalen Luftverkehr besteht.

Persönlichkeiten

Julius Rimarski (1849–1935), Superintendent in Sensburg

Walther Tomuschat (1866–1914), Lehrer und Schulbuchautor

Walther Rimarski (1874–1963), Chemiker

Herbert Neumann (1888–1976), Verwaltungsjurist.

Text: „Biała Piska“, deutschsprachige Wikipedia, Lizenz CC BY-SA 4.0.

Die Gemeinde Biała Piska

Die Gmina Biała Piska ist eine Stadt-und-Land-Gemeinde im Powiat Piski der Woiwodschaft Ermland-Masuren in Polen. Ihr Sitz ist die gleichnamige Stadt (deutsch Bialla) mit etwa 4000 Einwohnern.

Geographie

Die Gemeinde liegt im Süden der Woiwodschaft und grenzt dort an die Podlachien. Die Kreisstadt Pisz (Johannisburg) liegt acht Kilometer westlich. Nachbargemeinden sind im Powiat Piski die Pisz im Westen und Orzysz im Norden, im Powiat Ełcki Ełk im Nordosten und Gmina Prostki im Osten sowie in der Woiwodschaft Podlachien im Powiat Grajewski Szczuczyn im Südosten, im Powiat Kolneński Grabowo im Süden und Kolno im Südwesten Piecki.

Die Gemeinde hat eine Fläche von 420,1 km², die zu 50 Prozent land- und zu 40 Prozent forstwirtschaftlich genutzt wird. Sie grenzt im Nordwesten an den 1888 Hektar großen Roś (Roschsee, Warschausee). Auf ihrem Gebiet befindet sich kein erwähnenswerter See. Den Norden durchziehen einige Flüsschen, die in den Roś entwässern, wie der Święcek. Die Landschaft gehört zur Puszcza Piska (Johannisburger Heide).

Geschichte

Die Landgemeinde wurde 1973 aus verschiedenen Gromadas wieder gebildet. Stadt- und Landgemeinde wurden 1990/1991 zur Stadt-und-Land-Gemeinde zusammengelegt. Ihr Gebiet gehörte von 1946 bis 1975 zur Woiwodschaft Olsztyn und anschließend bis 1998 zur Woiwodschaft Suwałki, der Powiat wurde 1975 aufgelöst. Zum 1. Januar 1999 kam die Gemeinde zur Woiwodschaft Ermland-Masuren und wieder zum Powiat Piski.

Gliederung

Die Stadt-und-Land-Gemeinde Biała Piska besteht aus der Stadt selbst, der Siedlung (osiedle) Bemowo Piskie und 47 Dörfern (deutsche Namen amtlich bis 1945) mit Schulzenamt (sołectwo):

Siedlungen / Osiedla

Biała Piska Osiedla Nr 1 – (Bialla)

Biała Piska Osiedla Nr 2 – (Bialla)

Bemowo Piskie – (bis 1955 Karczmisko; Schlagakrug)

Schulzenämter / Sołectwa

Kleinere Ortschaften

Kleinere Ortschaften ohne Sitz eines Schulzenamtes sind:

Untergegangene Orte

Bagieńskie (Bagensken/Lehmannsdorf)

Brzózki Wielkie (Groß Brzosken/Birkenberg)

Kosaki (Kossaken/Wächtershausen)

Lisaki (Lissaken/Drugen)

Pożegi (Poseggen)

Sołdany (Soldahnen)

Verkehr

Wichtigste Straße ist die Landesstraße DK58 von Olsztynek (Hohenstein) nach Szczuczyn in der Woiwodschaft Podlachien. In Biała Piska zweigt die Woiwodschaftsstraße DW667 nach Ełk (Lyck) ab.

An der Bahnstrecke Olsztyn–Ełk (Allenstein–Lyck) bestehen die Bahnstationen Kaliszki (Kallischken), Biała Piska, Drygały (Drygallen) und Pogorzel Wielka (Groß Pogorzellen).

Die nächsten internationalen Flughäfen sind Danzig und Warschau.

Text: „Gmina Biała Piska“, deutschsprachige Wikipedia, Lizenz CC BY-SA 4.0.

Eine polnische Übersetzung der Texte finden Sie auf der Seite Historia. Stand: Oktober 2026. ← Startseite

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